Wien stellt seit mehr als hundertfünfzig Jahren dieselbe Frage mit ungewöhnlicher Hartnäckigkeit: Was heißt Mensch-sein? Sigmund Freud suchte die Antwort im Unbewussten, der Wiener Kreis in der Klarheit der Sprache, Ludwig Wittgenstein an den Grenzen des Sagbaren, Viktor Frankl in einem Sinn, der sich nicht geben lässt, sondern gefunden werden will. Diese Stadt hat den Menschen nie als Selbstverständlichkeit hingenommen. Sie hat ihn beharrlich in Frage gestellt – und ihn gerade dadurch verteidigt.
NexumTech ist in dieser Tradition entstanden. Wir sind eine kleine Software- und KI-Firma am Fleischmarkt 14 im ersten Bezirk, wenige Schritte vom alten Griechenviertel entfernt, in einer Straße, in der seit Jahrhunderten gehandelt, gestritten, gebetet und gedacht wird. Ein paar Häuser weiter steht Otto Wagners Postsparkasse – ein Gebäude, an dem man bis heute lernen kann, wie streng Form aus Zweck folgt. Die Adresse ist kein Hauptquartier. Sie ist eine Verpflichtung.
Unsere Haltung lässt sich in einem Satz fassen: Wir bauen Werkzeuge, keine Denkmäler. Künstliche Intelligenz ist für uns kein Selbstzweck und keine zu bewundernde Intelligenz. Im Sinne des Manifests des Wiener Kreises von 1929 verstehen wir sie als „Denkwerkzeug für den Alltag" – nützlich, geduldig gefertigt, so klar wie möglich, und ihren Sinn wie ihre Grenze findet sie erst in der Hand eines Menschen.
Daraus folgt eine einfache, aber unbequeme Konsequenz. Die Entscheidung gehört dem Menschen. Nicht dem Modell, nicht dem System, nicht dem Versprechen der Effizienz. Frankl hat es so formuliert: „Freiheit schlägt in Willkür um, wenn sie nicht im Sinne von Verantwortlichkeit gelebt wird." In einer Zeit, in der Software zunehmend wie ein Schicksal auftritt, halten wir an dieser alten Wiener Einsicht fest: Verantwortung lässt sich nicht delegieren – weder an einen Algorithmus noch an einen Cloud-Anbieter in einer fernen Jurisdiktion. Sie bleibt, wo sie hingehört: bei der Person, die entscheidet, und bei dem Unternehmen, das das Werkzeug fertigt.
Deshalb arbeiten wir langsam. Wir hosten in der EU. Wir lesen DSGVO und EU AI Act nicht als Bürde, sondern als Form – so wie ein Gedicht sein Versmaß liest. Wir sind Signatar des Vienna Manifesto on Digital Humanism (TU Wien, 2019), weil wir seine Grundüberzeugung teilen: Keine Technologie ist neutral, und die digitale soll dem Menschen dienen, nicht ihn formen. Unser erstes Produkt, Mewff, erscheint 2026 – eine ruhige, sorgfältige Anwendung für Menschen, die ein Tier im Haus haben. Nichts Spektakuläres. Etwas Brauchbares.
Die alte Wiener Frage nach dem Menschen ist heute auch eine Frage an die Maschine. Unsere Antwort ist bescheiden und fest: Werkzeug bleibt Werkzeug, Mensch bleibt Mensch, und der Unterschied ist nicht verhandelbar.